Juni 2013

Von Nightwalkern und anderen Bekannten.

Keine Frage, ein Hund fördert die sozialen Kontakte ungemein. Als Hundemensch triffst du

bei den täglichen Gassirunden immer Gleichgesinnte. Ob Du willst, oder nicht.

Wenn Du nicht willst gehörst Du nicht dazu. Ganzgleich ob du ansonsten freundlich bist oder nicht.

Diese Spezies nennt man Nightwalker. Menschen, die ihre Hunde nur zu später Stunde ausführen, immer auf der Hut alles und jedem aus dem Weg zu gehen. Menschen, die schon nach dem ersten Schritt durch die Tür panisch den Kopf umherwerfen um jegliche potentielle Gefahren im Vorneherein zu erfassen und gegebenenfalls weitflächig zu umgehen.

Nightwalker. Man munkelt in Hundefreundkreisen dass jene Menschen einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben müssen. Inklusive ihrer Hunde, versteht sich .

Wer den Kreis der Gleichgesinnten derart meidet der kann einfach nicht normal sein.

Hinterfragt wird kaum. Schließlich ist Hund ja ein hochsoziales Tier, Bello und Fiffy müssen mit anderen Hunden spielen - ein Mensch der das nicht begreift ist

1. kein Hundefreund

2. kein Hundeversteher

3. prinzipiell ein ganz , ganz schlechter Mensch

 

Diese Liste lässt sich sicher erweitern..  bis hin zur Gefahr für den Weltfrieden, Grund für Seuchen und Hungersnöte und der Kürzung des eigenen Weihnachtsgeldes.

Was man in den letzten Jahren besonders bei überengagierten Eltern feststellen konnte, die

ihre Kinder auf Teufel-komm-raus zur Eliteeinheit zugehörig drillten so findet man dieses Phänomen derweilen auch in Hundekreisen.

Ein Hund ist ein Hund - das war einmal. Heutzutage wird mit allem aufgefahren was auch nur ansatzweise erwähnenswert ist.

Wenn man nicht wüsste dass es sich um einen Hund handelt würde man sicher von einem armen zwölfjährigen Jungen ausgehen der nach seinem  8 Stunden-Schul-Alltag Bestleistungen in Sport, Kunst und Pfandfindern zu bringen hat.

Der Hund ist vielerorts schon längst nicht mehr " nur" Familienmitglied und Begleiter.

Der Hund von heute hat einen festen Freundeskreis, mindestens einen besten Freund oder eine beste Freundin, diverse Abzeichen im Sport, einen alle überragenden Gehorsam und am besten trifft er sich abends mit den Nachbarshunden um die Bedürftigen in der Suppenküche zu nähren.

 

All das hat der Hund eines Nightwalkers nicht, so die naserümpfende Hundehaltergemeinschaft.

Des Nightwalkers Hund ist in ihren Augen eine ganz arme Sau.

Von der Bösartigkeit seines Herrn längst gefangen zeigt auch er deutliche Anzeichen für die dunkle Seite in ihm.

Knurrend und pöbelnd folgt er stolzen Schrittes seines Herrn, nicht gewillt sich an jene Dinge des Hunde- 1x1 zu erinnern.

Mensch , teuflischer Hasso, Du bist ein Hund , du brauchst Kontakte im Kreis deiner Artgenossen.

Unverständnis und große Aufruhr wenn der teuflische Hasso schnappenderweise Unverständnis über jene Thesen äußert während einer der Bellos und Fiffies freilaufenderweise auf uns zu rennend eine vor den Latz bekommen.

 

Wie kann man nur so asozial sein. Solchen Menschen gehört die Hundehaltung verboten. Solche Hunde gehörten bei aller Liebe eingeschläfert, so die Spekulationen der Hundehalterclique am Abend danach.

 

Dass man einen Hund nicht auf einen an der Leine geführten Hund zu rennen lässt bleibt an diesem Abend unerwähnt. Aus ein bisschen Zähneklappern seitens des teuflischen Hassos werden nach und nach tiefe Bisswunden und ein Verbeissen in Fiffies Nackenpelz. Der wollt sie sicher töten, so munkelt man besorgt weiter.

 

Wichtig ist in Hundekreisen auch die anderen Halter über eine derartige Gefahr zu informieren. Würde heutzutage die Pest ausbrechen hielte man schließlich auch zusammen, nicht wahr?

 

Der Nightwalker hingegen schaut sich nach diesem Erlebnis gleich 10 Mal mehr um, dass er auch wirklich keine Gefahr übersieht. Von seinem Ruf weiß er noch nichts, wobei die Betonung hier eindeutig auf

 " noch " liegt.

Spätestens die bösen Blicke, das Getuschel hinter vorgehaltener Hand und Mütter die ihre Kinder panisch von der Straße zerren werden ihm zu denken geben.

 

Ein Phänomen unter Nightwalkern ist dass sie sich auch von weitem gegenseitig erkennen.

Ob es am angestrengten Gang liegt? Spätestens wenn beide Hunde den anderen quer über die Straße beschimpfen folgt das große Aufatmen.

" Sie haben auch so einen Leinenarsch?“ fragt einer den anderen der daraufhin erleichtert abwinkt und wild gestikulierend seinen Hund imitiert.

Mitleidig und voller Verständnis bleibt man stehen und versucht sich aus sicherem Abstand mit Händen und Füßen zu verständigen, froh darüber, verstanden zu werden.

 

Man begegnet sich öfters. Es wird laut an der Leine und doch bleibt man stehen und versucht sich auszutauschen... bis irgendwann.... man mag es selbst kaum glauben , zwei entspannte Hunde gelangweilt auf der Straße liegen weil man selbst vor lauter Freude über die Begegnung vergessen hat angespannt und auf der Hut zu sein.

Ob man ein Näherkommen versuchen möchte? Sie zögern. Haben sie doch selbst kein Vertrauen in sich und ihren Hund.

 

Die Hundefreundclique sieht diese Verbindung mit Besorgnis. Zwei Aussässige die sich unterhalten? Wie kann das sein, sind Nightwalker doch gar nicht fähig sozial zu agieren, so die Diskussion am Abend in der Hundehalterstreberrunde.

" Da ist Böses im Busch" flüstert man mit zusammengekniffenen Augen, besorgt über die möglichen Konsequenzen. Böse + Böse = Gefahr für alle darum, besonders für Bello und Fiffy.

 

Die Nightwalker samt ihrer höllischen Hassos hingegen treffen sich nun öfters. Mit etwas Abstand aber nah genug um nicht mehr Schreien zu müssen um sich zu  unterhalten .

 

 

 

 

 

 

 

 

September 2012

 

 

 

Lieber Postbote,

 

wie du weißt hatten wir so unsere Probleme , vielmehr ich mit dir, naja, du weißt schon ;-)

Ich möchte dir heute einfach mal Danke sagen, für deine Engelsgeduld und dein Verständnis für meine Launen.

Du musst das so sehen, täglich kommst du in mein Revier, komisch verkleidet und die wirklich guten Sachen wie Futterpakete bringst du auch nicht mit (Einen dicken Schlabberschmatz meinerseits an die lieben DHL-Menschen; ihr seid toll und immer herzlich willkommen in meinem Reich )..

Du weißt ja von meinem Frauchen schon dass ich mit fremden Männern eh so meine Probleme habe - und dann kommst du trotzdem täglich und schepperst an den Briefkästen .. Ich fand das ganz schön frech von dir .

Wir kennen uns nun schon eine Weile und ich muss gestehen, so langsam wirst du mir sympathisch.

Und das liegt natürlich nicht an den Leckerchen die du mir immer zusteckst ;-) echt nicht.. naja, vielleicht ein bisschen.

 

Ich finde es schön dass du mich sein lässt wie ich bin und es mir nicht krumm nimmst wenn ich mich manchesmal vergesse und dich anpöbel.. Aber ich gelobe weiterhin Besserung.

 

Ich schimpfe dir ja nun auch nicht mehr hinterher wenn du mit deinem komischen Fahrrad an mir vorbei fährst.

Und ich habe mir fest vorgenommen dich die nächsten Male im Hausflur freundlich zu begrüßen, ganz ohne Flüche und Pöbeleien.

 

Lieber Postbote, ich danke dir für dein Verständnis und deine Geduld.

Und für die Leckerchen ;-)

 

Deine Mara

 

 

 

 

 

 

 

 

September 2012

 

 

 

 

Mein erstes Mal Therapie...

Stopp!! Nicht für mich , damit das klar ist.

Auch , wenn einige da anderer Meinung sind . Ich habe vergangene Woche mein Frauchen das erste Mal zur Therapie begleitet.

Wer mich kennt weiß dass ich nicht besonders scharf drauf bin durch die Stadt zu laufen, durch all die Menschen, Gerüche .

Aber was tut man nicht alles für seine Lieben.

Ich also mit ins Auto voller Vorfreude auf einen schönen Spaziergang.. und dann das.

Da schleppt die mich quer durch Ettlingen, nix mit Gassi gehen.. Hopp hopp, wir müssen uns beeilen.

Nicht mal die Zeit um diesen arroganten Pekinesen anzupöbeln hat sie mir gelassen.

Nach knapp 3 Jahren des Zusammenlebens hat sie die hündischen Grundregeln immer noch nicht verstanden.

Kein Wunder dass sie zum Seelenklempner geht .

 

Wir also in das Haus, Treppen.. Hm .. Frauchen scheint nervös. Lass mich kurz zusammenfassen .

Nervös, fremdes Haus... Mist.. Tierarzt !?!!!!

 

Das gute Zureden war mir Schnuppe, ich kenne Ihre Ablenkungsmanöver. Wenn die meint dass ich mich freiwillig untersuchen lasse hat sie sich geschnitten.

 

 

Ok .. Die angebliche Nichttierärztin schien nett zu sein. Es gab auch keinen Untersuchungstisch .

Vielmehr roch es nach vielen fremden Menschen, nach deren Energien und Gedanken. Ein Hund von Welt der ich bin habe ich eine ganz feine Antenne für sowas.

 

Frauchen hatte derweilen auf einem Stuhl platz genommen und ich erschnupperte den Raum.

Es roch definitiv nicht nach Tierarzt. Das war positiv und doch machte mich der Raum nervös.

 

Die beiden begannen zu plaudern. Oft fiel mein Name und ich beruhigte mich erst ein wenig als Frauchen von Ihrem Platz aufstand und sich zu mir auf den Boden setzte.

 

Ich gab hin und wieder meinen Senf dazu, schließlich heißt das doch "Gesprächstherapie" , auch wenn ich dem eigentlichen Thema kaum folgen konnte.

 

In einem solchen Raum ist das Geruchsvolumen einfach überwältigend.

Da hat Hund einfach wichtigeres zu tun als still dazusitzen .

 

Einen Korb mit Spielzeug und bunten Bällen hatte die Therapeutin vor meinem Besuch vorsorglich in unereichbare Höhe gestellt. Mist. Das hätte spaßig werden können.

Also zog ich es vor, ganz gewitzter Hund der ich bin, die Aufmerksamkeit der beiden Damen mit einem herzzerreissenden Gewinsel bei mir zu halten. Menschen sind ja so leicht aus dem Konzept zu bringen.

Toll, wie schnell sie lernen.

 

Die fremde Frau hatte eine tolle Gabe. Sie redete ganz ruhig auf mich ein, ich konnte garnicht anders als mich auf einem ihrer bunten Teppiche niederzulassen.

So ist das also wenn man in eine Therapie geht. Man muss nur ein bisschen jammern, schon hat man die ganze Aufmerksamkeit und bekommt eine verbale Entspannungsmassage verpasst. Toll.

Auf die Liege durfte ich allerdings nicht. Dabei sieht man das doch in Filmen immer.

Einer liegt auf der Couch und erzählt dem anderen seine Gedanken während dieser zuhört und mitschreibt.

 

Naja, das Leben ist kein Film und ich bin nicht der Typ der sich stillschweigend einer einstündigen Sitzung ohne Bespaßung fügt.

 

Das Resumee dieses Besuchs... Therapie ist eine sinnvolle Sache. Wenn man bereit ist sich darauf einzulassen so kann man viel fürs Leben lernen. Ich habe gelernt welpenähnlich Quietschen und dabei leidig gucken führt zu vermehrter Aufmerksamkeit des Umfeldes. Dabei am Ball zu bleiben bedeutet nicht still dasitzen zu müssen. Menschen sind gelehrig. Sie wußten schnell was ich ihnen mitzuteilen hatte.

 

Und ich habe an diesem Tag gelernt dass ich diese Technik auch getrost morgens um drei anwenden kann wenn ich meine im Garten nach dem Rechten sehen zu müssen.

 

Mit positiver Bestärkung in Form eines unwiderstehlichen Augenaufschlags und ein bisschen Schwanzgewedel hat mein Frauchen diese Übung verinnerlicht und setzt diese perfekt um.

 

Ich danke der Therapeutin dass ich dabei sein durfte. Das nächste Mal dann bitte mit der Ballkiste auf dem Boden.. "winsel" ... "traurig guck" ... ;-)

 

Eure Mara

 

 

 

 

Erster Eintrag

 

 

 

 

Genug jener Worte, Frauchen.. Jetzt melde ich mich selbst zu Wort.

Es ist längst an der Zeit für einen kleinen Perspektivwechsel.

Und nun finde ich auch endlich die Zeit mich hier schriftlich ein wenig auszutoben, es ist schließlich

nicht ganz einfach zwei so sture Menschen zu ordentlichen und brauchbaren Rudelmitgliedern zu erziehen.

Da braucht man eine Menge Zeit und noch mehr Geduld.

Mir war das schon klar als ich mich in Ungarn für die Rudelübernahme einer deutschen Familie beworben hatte; was ich nicht bedachte war die Sturheit weiblicher Menschlein das ist etwas das man bei uns Hunden ja so niemals nicht antrifft ;)

Kaum in Deutschland angekommen bekam ich den ersten Überblick über die Ausmaße dessen was man fehlende Erziehung, ungenügende Sozialisierung und allgemein  den "Problemmensch" nennt.