Ich wollte einen Hund

Ich bat um Stärke, um ihn perfekt zu erziehen.

Ich wurde schwach und verwöhnte ihn mit Häppchen.

Ich wollte einen Hund der gehorcht, so dass ich stolz sein könnte.

Ich bekam einen widerspenstigen, der mich demütigte.

Ich wollte Gehorsam, um überlegen zu sein

Es wurde ein Clown, der mich zum Lachen brachte.

Ich hoffte auf einen Begleiter gegen meine Einsamkeit.

Ich bekam den besten Freund, der mir das Gefühl der Liebe gab.

Ich bekam nichts, was ich wollte,

aber alles, was ich brauchte!

Verfasser unbekannt

 

 

 

 

 

Mara kam in der Nacht zum 22. November 2009 in Deutschland an. Im Tierheim selbst wurde sie auf 3-4 Jahre geschätzt; laut unserer Tierärztin ist sie jedoch ein wenig jünger gewesen.

Wir kannten nicht mehr von ihr wie ein Foto. Ein schwarzer Hund in einer beschwichtigenden Haltung. Man weiß nicht woher sie kommt, kann nichts über ihr bisheriges Leben sagen. Ein Fundhund auf den Straßen Europas- wie so viele mit ihr .

Würde sie die Kastration vorort gut überstehen? Bleibt sie unversehrt oder würde man sie nach der OP wieder in den Zwinger tun ?

In solchen Tierheimen laufen die Hunde in recht großen Gruppen. Dies bedeutet enormen Stress für jeden einzelnen, Ressourcen werden bis aufs Äußerste verteidigt. Nicht selten gibt es Opfer aus tödlichen Beissereien unter den Hunden zu beklagen.

Wir hatten furchtbare Angst. Jedes Klingeln des Telefons löste Panik aus; es könnte der Anruf sein dass Mara etwas geschehen ist. 

Die Wochen des Wartens gestalteten sich wie eine einzige Kopfschwangerschaft. Unbändige Freude wurde abgelöst von Angst und dem Gefühl der Unwirklichkeit.

Zum Glück hatten wir die Unterstützung von zwei lieben Vermittlerinnen der Pfotenhilfe , Daniela und Ineke.

An dieser Stelle möchte ich an jene meinen tiefsten Dank für die Unterstützung aussprechen und meine Hochachtung für den unermüdlichen Einsatz für die Fellnasen .

 

 

 

 

 

Mit diesem Bild war Mara bei der Pfotenhilfe inseriert.. Wie hätten wir da widerstehen können ?!

 

 

 

" Die will doch nur Spielen" 

Hier liegt Mara das allererste Mal auf der Couch. Sichtlich erschöpft von den Strapazen der langen Reise nach Deutschland.

 

 

 

 

Die Entscheidung für einen Straßenhund

 

 

Einem Hund ein neues Zuhause zu geben sollte eine Entscheidung sein die gut bedacht ist; Ganz egal woher die neue Fellnase letztendlich kommen soll.  Die Grundbedürfnisse des neuen Familienmitglieds sollten einem bewusst und umsetzbar sein. Nur so ist der Grundstein für ein harmonisches Zusammenleben überhaupt gegeben. Eine Adoption, nur aus dem Mitleid heraus, birgt oftmals sehr viel  Kummer in sich. Für alle Beteiligten. Für den überforderten Neubesitzer ebenso wie für das Tier das sich nur allzu oft nach einigen Wochen in einem Tierheim wiederfindet.

Gerade bei den vielen Auslandshunden, deren Lebensumstände oftmals katastrophal und gleich auch lebensbedrohlich sind- in den Tötungsstationen haben die Hunde eine Frist von wenigen Wochen ehe sie auf grausame Weise hingerichtet werden. Euthanasie kann man dieses Vorgehen in den meisten Fällen gar nicht nennen-  viele werden kurzerhand erschlagen bzw. ohne vorherige Betäubung vergiftet. Natürlich entsteht bei solchen Bildern der Wunsch das Tier aus dieser Lage zu befreien. Ein ehrbarer Gedanke, doch mit dem „Mal eben da rausholen“ ist es eben leider nicht getan. Es wäre wichtig sich klar zu machen dass gerade diese Hunde oft sehr viel Schlechtes in ihrem Leben erfahren haben. Viele sind nachhaltig traumatisiert und ja, das hat auf die Hundepsyche recht ähnliche Auswirkungen wie auf die Seele eines Menschen. Der Gedanke den Hund aus seinem Elend zu befreien und somit automatisch einen dankbaren, sie als seinen Retter anzuerkennenden Freund fürs Leben zu haben ist ein Irrglaube dem ebenso viele Leute unterliegen wie dem Glauben an die gelebte Streunerromantik der Straßenhunde.

 

 

Es gibt einige gute Literatur zu dieser Thematik und auch einige gute Seiten im Internet die sich mit dieser beschäftigen. Ebenso sollte man sich bei den Vermittlern erkundigen. Diese helfen gerne dabei einen passenden Hund zu Ihren Lebensumständen und Vorstellungen zu finden. Sollten sie dies nicht tun dann seien sie auf der Hut. Auch im Tierschutz gibt es schwarze Schafe die einzig darauf bedacht sind aus dem ganzen ihren Profit zu schlagen. Eine seriöse Organisation wird sich die Zeit nehmen um mit ihnen gemeinsam zu schauen welcher Hund zu ihnen passen könnte- und welcher eben nicht. Gerade auch in der Vermittlung von Straßenhunden sollte man als potentieller Übernehmer hellhörig werden wenn die Hunde als über alle Maße toll beschrieben werden. Einschätzungen kann man vorort vornehmen, eine Garantie, wie ein Hund letztendlich sein wird gibt es so aber nicht. Es sei denn der Hund befindet sich bereits auf einer Pflegestelle und man hatte Zeit ihn genauer zu beobachten. Eine gute Organisation spielt mit offenen Karten, spricht etwaige Probleme offen an- auch jene die auftreten könnten.

 

Welche das sein könnten bei einem Hund der den Menschen als Sozialpartner so wahrscheinlich nicht kennenlernen konnte? Je nach gemachten Erfahrungen gibt es da sehr viel mit dem man vorab rechnen sollte. Wir selbst haben es vor Mara‘s  Ankunft so gehalten dass wir mit dem Schlimmsten rechneten. Umso schöner war die Einsicht dass nicht all das Schlimme eintrat. Und doch war eben vieles so ganz anders wie bei einem Hund der als Welpe in einer Familie aufgezogen wurde.Und das ist es heute immer noch , wenngleich sie schon über ein Jahr bei uns lebt und wir sehr viel mit ihr arbeiten. Wenn ich mich an die ersten Wochen zurück erinnere kommen mir zwei Dinge in den Sinn. Ein unbändiger Hunger und schlaflose Nächte mit vielen Gassirunden im Zweistundentakt. Ein Hund der nicht in einem Haus aufgewachsen ist weiß eben nicht gleich nach Ankunft dass man seine Geschäfte besser und ausschließlich im Freien verrichtet. Ein Hund der so oft Hunger litt wird den Teller auf dem Tisch eben nicht gleich zu ignorieren wissen.

Und Mara war sehr ausgehungert. Und kreativ in ihren Überlegungen an etwas Essbares zu kommen . Ich hab schon von einigen Ex-Strassis gehört die sofort stubenrein waren und völlig problemlos in ihrer Haltung. Es ist nicht gesagt dass jeder Hund ängstlich und scheu ist oder andere „Macken“ mitbringt. Man sollte sich aber dennoch vorher damit auseinandersetzen. Nur so kann man dem Start in das gemeinsame Miteinander entspannt entgegen sehen.

 

Gedanken die wir uns vorab zu Mara‘s eventuellen Eigenschaften machten waren folgende:

-Ängstlichkeit- auch im Umgang mit uns Menschen

-Krankheit- nicht alles lässt sich beim Check vor Ort feststellen

-Eigenschaften wie Angst-Schnappen, Abwehrhaltung usw.

-Stubenunreinheit

-Das Nichtkennen von Leine, Halsband und Brustgeschirr

-das Nichtkennen der menschlichen Art zu leben (Haus,   E-Geräte usw.)

-Traumata- man weiß letzten Endes ja nicht was sie bislang erlebt hat

-Verträglichkeit mit anderen Hunden, Katzen etc.

-Parasitenbefall, Giardien, Würmer usw.

-Eigenarten- die auch erst später auftreten können. Bei vielen Hunden zeigt sich das „normale“ Verhalten erst nach Wochen der Eingewöhnung

 

Es ist so viel mit dem man rechnen sollte. Umso schöner wenn vieles davon eben nicht eintritt. Als wir Mara Ende November 09 am Rastplatz entgegen nahmen waren wir sehr geschockt wie abgemagert sie mittlerweile war. Auch war sie größer wie angenommen.Der erste Moment nach dem Ausstieg aus dem Transporter ist eine einzig im Nebel liegende Erinnerung.  Zuviel  Anspannung die abfiel, zu viele Eindrücke die verarbeitet werden wollten.

Genau wie auf dem Foto beschwichtigte Mara die Menschen um sich . Ganz tief an den Boden gepresst robbte sie in unsere Richtung. Die Augen ängstlich und sichtlich mitgenommen von den Strapazen der  langen  Fahrt. Zuhause angekommen zeigte sie sich recht neugierig. Das Auto war ihr nicht geheuer, wir ebenso und eine Wohnung scheint sie vorher auch noch nie betreten zu haben. Glücklicherweise stellte die Fahrt mit dem Fahrstuhl keine größeren Probleme dar. Treppen laufen traute sie sich nicht und auch der Fernseher wurde tags drauf erst einmal verbellt.

Positiv war, dass sie zugänglich war für unsere Kontaktaufnahme. Und doch spürte man wie sie vieles nicht einzuordnen wusste. Die ersten Nächte schlief das Rudel geschlossen in Bett. Mara wusste die Vorzüge einer weichen Couch sofort zu schätzen. Die Gassirunden waren für alle Beteiligten recht anstrengend. Mara versuchte ständig die Leine zu zerbeissen, dieses Problem hielt mindestens einen Monat an. Ihre Umwelt nahm sie sehr misstrauisch wahr. Fremde Männer betrachtet sie auch heute noch mit recht gemischten Gefühlen. Der Kontakt zu anderen Hunden war die ersten Wochen ganz ok, Mara beschwichtigte sehr viel- klar, nur so konnte sie sich in Ungarn über Wasser halten.

 

Kurz nach der Ankunft ließen wir sie vom Tierarzt durchchecken.  Die abgegebenen Kotproben bestätigten unseren Verdacht auf einen Giardienbefall. Giardien sind recht hartnäckig. Sie bewirken üble Durchfälle. Das war eine richtig heftige Zeit.  Zeitweilig war es so schlimm dass Mara egal wo sie sich gerade befand eine Lache aus Kot und Blut hinterließ. In dieser Zeit machten wir uns große Sorgen um sie. Die verabreichten Mittel schienen nicht anzuschlagen. Trotz täglichem  Dampfreinigen der kompletten Wohnung wurde es immer schlimmer statt besser. In dieser Zeit sind viele Tränen geflossen. Aus der Sorge um die Gesundheit unseres Hundes heraus und auch, weil wir uns selbst als unfähig betrachteten ihr richtig helfen zu können. Am zweiten Tag erbrach Mara neben uns auf der Couch liegend einen ganzen Berg lebender Würmer. Selbst aus dem Podex krochen diese, trotz Verabreichen einer Wurmkur. Sie stellte wirklich ein Bild des Jammers dar.

Es dauerte eine lange Zeit bis wir dieses Problem in den Griff bekamen.  Erst nach einer weiteren Gabe Panacur und dem Einsatz von oral verabreichtem kolloidalem Silber hatten wir die Biester in den Griff bekommen. Der blutige Stuhl den sie überall hinterließ wurde weniger, sie nahm an Gewicht zu und auch ihr allgemeiner Gesundheitszustand ging langsam wieder bergauf. Die Stubenreinheit stellte sich ein wenn gleich sie auch heute noch hin und wieder der Meinung ist dass der Balkon ja draußen ist und nicht zur Wohnung , in die man nicht machen darf, gehört . 

 

 

 

 

Für Mara......
 
Du schrottest Spielzeug, im Minutentakt
Hast mir so oft schon in den Flur gekackt
Willst jagen gehen,und Katzen essen
Spielst Du mit Hunden, hast Du mich vergessen.
Bist drinnen lieb doch draussen dann,
fängst Du sehr gern Theater an.
Jegliche Erziehung die genossen
Ist draußen wie davongeschossen
Erst neulich fand ich in den Hecken
Verwesten Pansen, wohl vergessen.
Und  wenn ich sag, „Ich will jetzt nicht“,
grunzt Du mir zärtlich ins Gesicht.
An manchen Tagen ,muss ich sagen
fühl ich mich ganz und gar erschlagen.
Den halben Tag mit Dir getobt
Und Dich zum Himmel hoch gelobt
Dann bin ich müde doch Du willst mehr
Der Kopf ist leer, die Beine schwer.
Doch Du sitzt da und schaust mich an,
so dass ich gar nicht anders kann.
Drum schnell die Leine aus der Truhe
Und Du bringst mir verkaute Schuhe.
Bist rüpelig  und oftmals frech
Doch der Erfolg, der gibt uns Recht.
So anstrengend Du gerade bist
Mein lieber Hund sei Dir gewiss
Für mich bist Du, so wie ich’s sage
Der tollste Wuffel, keine Frage.
So ist das mit der Pupertät,
genervt zu sein von früh bis  spät.
Als Hundemutti hat man‘s schwer
Als „Rüpel“-Mutti noch viel mehr.
Man sagt, die Phase wird vergehn
Mit 3-4 Jahren, wirst schon sehn.
Dann sitz ich hier und freu mich promt
Wenns Töchterchen ins Rüpeln kommt.
Hast Du mich lange schon gelehrt
„Nimms mit Humor“, ist nicht verkehrt.
Und wenn wir abends, Du noch fit,
dem Couching fröhnen, meist zu dritt,
und Deine hellen Bernsteinaugen
so voller Liebe an mich glauben.
Dir wieder einfällt was gelernt,
kein Meter heut von mir entfernt.
Und wenn ich sehe wie Du reifst
Wenn Du ne tote Maus anschleifst
Trotz all dem Chaos das Du machst
Es trotzdem immer wieder schaffst
Dem Augenblick den Glanz zu geben,
ihn unterstreichst, den Sinn zu Leben.
Wenn Du schlafend bei mir liegst
Dich ganz nah an die Beine schmiegst
Und ich zurück denk wie es war
Als ich Dich am Rasthof sah.
So voller Angst und voller Scheu
Es war für Dich ja alles neu.
Und heute nach so kurzer Zeit
Bist Du, mein treuer Freund so weit
Dass ich mit Stolz behaupten mag
Es wird besser, Tag für Tag.
Drei Schritte vor,und zwei zurück,
ist unser Weg zum großen  Glück.
Das ist nicht schlimm, haben wir beide
die Zeit doch wohl auf unsrer Seite.
Und manchmal
Wenn Du vor mir stehst
Und nicht von meiner Seite gehst
Kann ich nicht mehr, als zu bestaunen
die Bernsteinäuglein, diese braunen.
So voller Liebe schauen sie mir
Direkt ins Herz, Du Rüpeltier.
Dann ist vergessen was mich lähmte
Seit vielen Jahren, schmerzlich grämte.
Dann spüre ich das große Glück
Ich geb Dich niemals mehr zurück.
Als Du noch drüben hinter Gittern,
gesessen hast, und welch ein Zittern
meinerseits, die Angst dass Dir
etwas passiert, geliebtes Tier
Da habe ich Dir Nacht für Nacht
Dein leeres Körbchen warm gemacht
Und in Gedanken das Versprechen
Das ich niemals werde brechen
Das Körbchen das hier steht bereit
Wird Deines sein ,für alle Zeit.
Du bist zu Hause- wirst geliebt
Es ist mein Glück dass es Dich gibt.
 
 
 In Liebe, Deine Familie...